Gesundheit für Mensch, Tier & Pflanze

Vogelgrippe

Aviäre Influenza

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Steckbrief

Erreger der Vogelgrippe (Aviäre Influenza oder Geflügelpest) sind Influenzaviren. Sie werden in Typ A, B und C unterteilt. Beim Influenzavirus A gibt es verschiedene Subtypen, die sich durch verschiedene Oberflächenantigene (Neuraminidase, N und Hämagglutinin, H) ergeben. Als Folge von Genveränderungen entstehen ständig neue Varianten der Grippeviren. Bisher gibt es 16 Hämagglutinin- und 9 Neuraminidase-Untertypen.

Vorkommen

Die aviäre Influenza oder Geflügelpest wurde 1878 erstmals in Italien beobachtet. Die Erreger kommen weltweit vor.

Erregerreservoir

Influenza-A-Viren vom Subtyp H5 und H7 kommen bei Hühnern, Puten und zahlreichen wildlebenden Vogelarten vor. Enten, Gänse und andere Wildvögel erkranken entweder kaum oder zeigen keine Symptome, sind aber für die Erregerverbreitung von Bedeutung.

Infektionsweg

Die Geflügelpest ist für Geflügel hoch ansteckend. Das Virus wird mit Kot, Speichel und Tränenflüssigkeit ausgeschieden. Bei starker Staubentwicklung ist auch die indirekte Ansteckung über Luft möglich.

Inkubationszeit

1-3 Tage

Symptomatik

Die Unterscheidung in hochpathogene und niedrigpathogene AI-Typen bezieht sich auf den Schweregrad der Erkrankung bei Vögeln: während niedrigpathogene AI-Typen keine oder nur milde Symptome verursachen, kommt es bei hochpathogenen AI-Typen zu schweren Krankheitsverläufen und hohen Sterberaten.

Situation in Österreich

Die Stallpflicht für Betriebe mit mehr als 350 Tieren verliert mit 16. März 2022 ihre Gültigkeit. Durch die nun reduzierte Einschleppungsgefahr wird die seit November 2021 vorgeschriebene Stallpflicht für Geflügelbetriebe per Novelle der Geflügelpestverordnung außer Kraft gesetzt. Aufgrund einer nach wie vor bestehenden, aber geringeren Gefährdungslage werden die übrigen Maßnahmen zur Erhöhung der Biosicherheit in den ausgewiesenen Risikogebieten jedoch weiterhin vorgeschrieben.

Geflügelhalter:innen sollten besonders auf die Einhaltung von Biosicherheitsmaßnahmen achten, wie beispielsweise die Fütterung in überdachten Bereichen. Direkte und indirekt Kontakte zwischen Geflügel und Wildvögeln sollten unbedingt verhindert werden. Bei unklaren Gesundheitsproblemen in Geflügelbetrieben sollte unbedingt eine tierärztliche Untersuchung erfolgen. Die verpflichtende Meldung von tot aufgefundenen wildlebenden Wasservögeln und Greifvögeln bei der lokal zuständigen Veterinärbehörde (Amtstierarzt/Amtstierärztin) ist ebenfalls für die Früherkennung wichtig.

Fälle bei Wildvögeln und in Kleinbetrieben/Hobbyhaltungen (Stand 12.05.2022)

Im österreichischen Tierseuchenradar werden Informationen zur internationalen Lage und Ausbreitung der bedeutendsten Tierseuchen und Tierkrankheiten, die für Österreich relevant sind, bewertet und zusammengestellt. Dadurch können mögliche Risiken für Österreich früh erkannt und kommuniziert werden. Der Tierseuchenradar erscheint monatlich.

Geflügelpest: Für den Menschen nicht gefährlich

Die Erreger der Geflügelpest können in sehr seltenen Fällen vom Vogel auf den Menschen übertragen werden. In Österreich wurde aber noch nie eine Infektion des Menschen nachgewiesen.

Derzeit grassiert bei Vögeln in ganz Europa der Subtyp H5N1, den die AGES auch in Österreich nachgewiesen hat. Dieser Subtyp ist für eine Reihe von Vogelarten, einschließlich der meisten Hausgeflügelarten, hochinfektiös.  Der Subtyp A/H5N1 gilt als besonders aggressiv (HPAI, Highly Pathogenic Avian Influenza). Laut Europäischem Zentrum für Seuchenkontrolle (ECDC) ist das Virus schlecht an den Menschen angepasst, die Übertragung von Vögeln auf den Menschen ist daher ein seltenes Ereignis: Zwar sind vereinzelte Fälle beim Menschen aufgetreten, aber eine dauerhafte Übertragung von Mensch zu Mensch wurde bisher nicht beobachtet. Fast alle Infektionen beim Menschen sind auf einen sehr engen Kontakt mit infizierten oder kranken Vögeln oder deren Fäkalien in häuslichen Umgebungen zurückzuführen.

In Großbritannien wurde vor kurzem erstmals eine Infektion mit Geflügelpest bei einem Menschen nachgewiesen. Nach Angaben der britischen Gesundheitsbehörden hatte die infizierte Person sehr engen, regelmäßigen Kontakt mit einer großen Anzahl infizierter Vögel, die sie über einen längeren Zeitraum in und um ihr Haus gehalten hat. Die Person ist wohlauf, es gibt keine Hinweise auf eine Weiterverbreitung der Infektion auf andere Personen. Laboruntersuchungen ergaben geringe Mengen des Virustyps H5. Laut den Gesundheitsbehörden handelt es sich um ein sehr seltenes Ereignis, das auf die besonderen Umstände in diesem Betrieb zurückzuführen ist.

Jedenfalls sollten die empfohlenen erhöhten Schutzmaßnahmen beim Umgang mit Geflügel und Wildvögeln eingehalten werden: Geflügelhalter:innen sollten alle Stallungen und Gehege, in denen Geflügel gehalten wird, nur nach gründlicher Reinigung und Desinfektion des Schuhwerks bzw. mit ausschließlich dort verwendeter Schutzkleidung und Überschuhen betreten. Verendet aufgefundene Wasservögel und Raubvögel müssen der zuständigen Bezirksverwaltungsbehörde (Amtstierärztin/Amtstierarzt) gemeldet werden. Solche Tiere sollen nicht berührt werden und am Fundort belassen werden, die Bergung und weitere Untersuchungen werden von der Behörde veranlasst.

Geflügelpest-Überwachung in Österreich

Im Jahr 2020 wurden insgesamt 3.655 Blutproben auf das Aviäre Influenza-Virus untersucht. Alle Proben waren negativ. Das europaweite Überwachungsprogramm besteht aus einem aktiven (Wirtschaftsgeflügel) und einem passiven (Wildvögel) Teil. Im aktiven Überwachungsprogramm 2020 gelangte Schlachtblut von 1.240 Legehennen aus 124 Betrieben (davon 61 Freilandhaltungen), von 440 Huhn-Elterntieren aus 44 Elterntierbetrieben, von 530 Mastputen aus 53 Betrieben, von 1.407 Gänsen und Enten aus 75 Betrieben und von 64 Straußen aus 8 Betrieben zur serologischen Untersuchung. Es konnten keine Antikörper gegen das AI-Virus nachgewiesen werden. Auch 158 Geflügelproben, die zusätzlich auf das AI-Virusgenom getestet wurden, waren negativ. In der passiven Überwachung im Jahr 2020 wurden 187 Proben von tot aufgefundenen Wildvögeln auf das Aviäre Influenza-A-Virusgenom untersucht. Bei 4 toten Wildvögeln konnte ein nicht  pathogenes AI-Virus festgestellt werden.

Überwachung auf Geflügelpest in Österreich

Fachinformation

Wir untersuchen am Nationalen Referenzlabor für Aviäre Influenza Proben (Organe, Tupfer, Tierkörper) zum direkten Virusnachweis mittels Real Time RT – PCR, Sequenzierung und mit Eikultur und Hämagglutinationstest (HA). Der indirekte Nachweis durch Bestimmung der Antikörper wird mittels ELISA und Hämagglutinationshemmungstest (HAH) erbracht.

Hämagglutinationstest: Bestimmte Viren wie Influenzaviren binden mittels Hämagglutinin Erythrozyten an ihre Oberfläche. Dadurch verklumpt (agglutiniert) das Blut. Mittels Verdünnungsreihen kann die Virusmenge ermittelt werden.

Hämagglutinationshemmungstest: Spezielle Antikörper können  die vom Virus verursachte Agglutination/Verklumpung  verhindern. Auf diese Weise können Antikörpertiter und spezifisch einzelne Virus-Stämme bestimmt werden.

ELISA: Enzyme-linked Immunosorbent Assay ist ein antikörperbasiertes Nachweisverfahren, Antikörper binden an ein Antigen und werden mittels einer enzymatischen Farbreaktion dargestellt.

Real-Time RT-Polymerase-Chain-Reaction (PCR) und Sequenzierung: AI Virus-Genabschnitte werden detektiert und es kann direkt typisiert werden, ob ein H5 oder H7 Typ vorliegt. Mittels Sequenzierung kann der Pathotyp des Virusstammes (hoch- oder niedrigpathogen) bestimmt werden.

Eikultur: Aus den Proben wird eine potenziell infektiöse Impflösung hergestellt, mit der garantiert virenfreie Hühnereier beimpft werden. Diese Eier werden mindestens fünf Tage lang bebrütet. Sind hochpathogene aviäre Influenza-Viren vorhanden, sterben die Embryos in den Eiern ab und das Virus in der Allantios kann mittels Hämagglutination (HA) identifiziert  werden.

Kontakt

Institut für veterinärmedizinische Untersuchungen Mödling

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Aktualisiert: 12.05.2022

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