Gesundheit für Mensch, Tier & Pflanze

Sackbrut

Sackbrutvirus

Steckbrief

Die Sackbrut ist eine durch ein Virus hervorgerufene Bruterkrankung der Bienen. Sie führt zum Tod der Bienenlarve. Die Infektion der erwachsenen Biene verläuft symptomlos.

Vorkommen

Das Sackbrutvirus wurde bereits auf allen Kontinenten nachgewiesen, auf denen die Westliche Honigbiene vorkommt, es ist weit verbreitet. Der Erreger tritt verstärkt bei Futtermangel (Hungerperioden) auf. Auch Varroabefall kann das Auftreten der Sackbrut verstärken.

Erregerreservoir

Das Sackbrutvirus überlebt in der brutlosen Zeit in den Futtersaftdrüsen der erwachsenen Bienen.

Infektionsweg

Übertragung im Volk: Während der Brutpflege. Das Virus kann auch in Honig und Pollen vorkommen und über diesen Weg Infektionen verursachen. Das Sackbrutvirus kann von einer infizierten Königin über das Ei auf den Nachwuchs übertragen werden.

Übertragung von Volk zu Volk: durch imkerliche Tätigkeiten (Umhängen von Waben) oder durch Verflug und Räuberei der Bienen.

Inkubationszeit

In den ersten Tagen der Larvenentwicklung

Symptomatik

Lückenhaftes Brutnest, rissige oder löchrige, eventuell eingesunkene Zelldeckel, sackförmige Gestalt der abgestorbenen Larven

Therapie

Für eine Bekämpfung ist kein Medikament vorhanden. Bei starker Krankheitsausprägung können die befallenen Waben entnommen und eingeschmolzen werden.

Vorbeugung

Ständiges Nektarangebot: der Futterstrom darf im Volk nie abreißen, damit die Larven stets ausreichend versorgt werden. Bei guter Tracht ist in der Regel eine spontane Selbstheilung des Volkes möglich

Situation in Österreich

In Österreichs Honigbienenvölkern tritt die Sackbrut verbreitet auf. Das Auftreten von Sackbrut ist nicht anzeigepflichtig. Daher wird die Häufigkeit des Auftretens nur stichprobenartig im Zuge von Forschungsprojekten erhoben. In den Jahren 2015 bis 2016 wurden im Zuge des Projektes „Zukunft Biene“ etwa 200 Bienenstände auf klinische Symptome von Sackbrut überprüft. Die Häufigkeit variierte jahreszeitenabhängig. Im Sommer 2015 waren auf 7,3 % der Stände Sackbrutsymptome zu sehen (95 % Konfidenzintervall: 4,1-11,5 %). Im Herbst 2015 und Frühling 2016 wurde auf jeweils 1,6 % der Stände Sackbrutsymptome festgestellt (95 % Konfidenzintervall: 0,4-4,1 %).

Fachinformation

Die Sackbrut ist eine durch das Sackbrutvirus (SBV) hervorgerufene Bruterkrankung der Bienen. Sie ist auch in erwachsenen Bienen nachweisbar und kann durch diese weitergegeben werden. SBV ist eines der weitest verbreiteten Bienenviren und gehört zur Familie der Iflaviridae. Eine Infektion mit SBV führt zum Tod der Bienenlarve, welche in weiterer Folge ihre typische sackförmige Gestalt erhält und später zu einem Schorf eintrocknet. Die Infektion der erwachsenen Biene verläuft symptomlos, wobei Zellen im Nervengewebe und der Hypopharynxdrüsen (Futtersaftdrüsen) befallen werden. Infizierte Ammenbienen stecken die Junglarven durch Verfütterung von virusbelastetem Futtersaft an.

Das Sackbrutvirus überlebt in der brutlosen Zeit in den Futtersaftdrüsen der erwachsenen Bienen. Diese stellen im Volk ein ständiges Virusreservoir dar. Damit ist das Sackbrutvirus in vielen Bienenvölkern über Jahre hinweg latent vorhanden, ohne dass die Krankheit mit klinischen Symptomen an der Brut ausbricht.

Übertragung

Im Volk: Während der Brutpflege oder dem Entfernen kranker Brut nehmen erwachsene Bienen die Viren auf und scheiden sie über die Futtersaftdrüsen wieder aus, ohne selbst sichtbar zu erkranken. Junge (ca. zwei Tage alte) Larven sind für Infektionen besonders anfällig. Infizierte Brut stirbt im Streckmadenstadium noch vor der ersten Puppenhäutung ab. Unter der letzten Larvalhaut wird Flüssigkeit eingelagert, die sehr viele infektiöse Viruspartikel enthält. In weiterer Folge entsteht eine sackförmige Gestalt. Die Infektionsfähigkeit nimmt rasch ab, braune abgestorbene Larven und schwarzbraune schiffchenförmige Schorfe sind kaum noch ansteckend.

Junge Arbeiterinnenlarven sind am anfälligsten für eine Infektion, wobei die Virusübertragung durch die Fütterung von Futtersaft infizierter Ammenbienen erfolgt. Mit dem Sackbrutvirus infizierte Bienen zeigen äußerlich keine Veränderung. Die Erkrankung kann jedoch die Lebensdauer der Einzelbiene verkürzen. Sie nehmen keinen Pollen mehr als Nahrung auf. Dadurch werden sie schnell zu Sammelbienen, die aber nie Pollen eintragen werden.

Das Virus kann auch in Honig und Pollen vorkommen und über diesen Weg Infektionen verursachen. Das Sackbrutvirus kann von einer infizierten Königin über das Ei auf den Nachwuchs übertragen werden.

Von Volk zu Volk: Die Übertragung von Volk zu Volk erfolgt durch imkerliche Tätigkeiten (Umhängen von Waben) oder durch Verflug und Räuberei der Bienen.

Symptomatik

Bei einer schweren Sackbruterkrankung des Volkes ist das Brutnest lückenhaft, es sind stehengebliebene Brutzellen mit rissigen oder löchrigen und eventuell eingesunken Zelldeckeln zu sehen.

Die stehengebliebenen verdeckelten Brutzellen enthalten abgestorbene Brut mit den typischen Symptomen: beim Absterben der Vorpuppe entsteht eine sackförmige Gestalt aufgrund der Flüssigkeitsansammlung zwischen der alten Larven- und der Puppenhaut. In diesem Zustand lässt sich die Larve mit einer Pinzette wie ein Sack aus der Zelle herausziehen. Nach dem Absterben zerfällt die Larve zu einer wässrig-körnigen Masse. Sie verfärbt sich von vorn nach hinten zunehmend dunkel, der Kopf biegt sich nach oben, trocknet zu einem schwarzbraunen, schiffchenförmigen Schorf mit hakenförmig aufgebogenem Kopfende ein ("Schiffchenkrankheit"). Der Schorf liegt locker in der unteren Zellrinne, oft ist die ursprüngliche Segmentierung der Larve noch erkennbar.

Ein ständiges Nektarangebot ist anzustreben: Der Futterstrom darf im Volk nie abreißen, damit die Larven stets ausreichend versorgt werden. Bei guter Tracht ist in der Regel eine spontane Selbstheilung des Volkes möglich. Bei Futtermangel während Trachtlücken sollte gefüttert werden. Eine Reizfütterung kann auch den Putztrieb der Bienen fördern. Wichtig ist ein gutes Hygieneverhalten der Bienen, damit die erkrankte Brut rasch ausgeräumt wird. Auch die Senkung des Varroabefalles hilft vorbeugend, da Sackbrut eine Nebenerscheinung der Varroose sein kann.

Therapie

Für eine Bekämpfung ist kein Medikament vorhanden. Es können jedoch gesundheitsfördernde (Hygiene-)Maßnahmen gesetzt werden. Zur Senkung des Virusaufkommens im Volk sind folgende Maßnahmen zu empfehlen:

  • Stark befallene Brutwaben aus dem Volk nehmen und das Wachs einschmelzen (das Sackbrutvirus ist hitzeempfindlich)
  • Kunstschwarmverfahren
  • Reinigung der Beute
  • Ist die Sackbrut ein Begleiteffekt einer Varroose, ist eine wirksame Varroabekämpfung durchzuführen. Die Anfälligkeit für Sackbrut kann auch aufgrund eines geringen Hygieneverhaltens der Bienen genetisch bedingt sein. In diesem Fall kann Umweiseln helfen
  • Ebenso helfen pflegerische Maßnahmen wie Einengen des Volks und Anregung des Putztriebes. Die Anregung kann mit Hilfe einer Reizfütterung oder durch Besprühen der Waben mit dünner Zuckerlösung erfolgen
  • Die Abtötung stark befallener Völker hilft die Verbreitung der Krankheit auf andere Völker zu unterbinden

Diagnostik

Die Symptomatik ist typisch und kann in der Regel anhand der erkrankten Brut identifiziert werden. Zusätzlich kann das Sackbrutvirus mittels molekularbiologischer Methoden (PCR) an erwachsenen Bienen sowie an Brutstadien nachgewiesen werden. Ein Virusnachweis mittels PCR erfolgt nur auf ausdrücklichen Wunsch und bei Kostenübernahme durch den Einsender.

Probeneinsendung: Brutwabenstück mit erkrankten Maden, Bienen aus erkrankten Völkern

Kontakt

Leitung

DI Hemma Köglberger

Als .docx herunterladen

Aktualisiert: 08.04.2022

Jump to top
X

Wir verwenden Cookies

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige sind notwendig, während andere uns helfen, diese Website und Ihre Erfahrung zu verbessern.

Word-Dokument generieren

Bitte wählen Sie die gewünschten Inhalte aus: