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Porzine Epizootische Diarrhoe (PED)

Porzine Epizootische Diarrhoe (PED)

Steckbrief

Die Porzine Epizootische Diarrhoe (PED) ist eine durch Coronaviren verursachte Durchfallerkrankung von Schweinen, die besonders bei jungen Ferkeln mit einer hohen Sterblichkeitsrate einhergehen kann. Für den Menschen oder andere Haustiere besteht keine Ansteckungsgefahr

Vorkommen

Weltweit

Wirtstiere

Schweine

Infektionsweg

Die Ansteckung erfolgt durch virushaltigen Kot

Inkubationszeit

3-5 Tage

Symptomatik

Erbrechen, Durchfall, Appetitlosigkeit

Therapie

Es gibt keine Therapie

Vorbeugung

Strenge Biosicherheits- bzw. Hygienemaßnahmen. In Asien und Amerika gibt es bereits Impfstoffe, deren Wirksamkeit allerdings kontroversiell diskutiert wird

Situation in Österreich

PED-Virus wurde Ende 2014 erstmals in Österreich nachgewiesen.

Fachinformation

Die Porzine Epizootische Diarrhoe (PED) oder Epizootische Virus Diarrhoe (EVD) ist eine durch Coronaviren verursachte Durchfallerkrankung von Schweinen, die besonders bei jungen Ferkeln mit einer hohen Sterblichkeitsrate einhergehen kann. Seit 2013 wird in Nordamerika über seuchenhaftes Auftreten der PED berichtet. 2014 wurden akute Ausbrüche in Deutschland gemeldet; in Österreich wurde das Virus in einem Betrieb bei Mastschweinen mit deutscher Herkunft nachgewiesen:

Weitere Bezeichnungen für diese Infektionskrankheit sind Epidemic Viral Diarrhoea (EVD) und aktuell in der amerikanischen Literatur „Novel Swine Enteric Coronavirus Disease (SEDC). Für dieses Virus sind nur Schweine empfänglich; für den Menschen oder andere Haustiere besteht keine Ansteckungsgefahr. Die Ansteckung erfolgt durch virushaltigen Kot über die sogenannte faecal-orale Infektionsroute. Nach experimenteller Infektion können die ersten Krankheitsanzeichen bereits nach 36 Stunden auftreten. Wird der Erreger in eine naive Herde eingeschleppt, sind die typischen Krankheitsanzeichen innerhalb von 3-5 Tagen sichtbar.

Verbreitung

Ende 2014 wurde erstmals in Österreich PED-Virus nachgewiesen. Der Nachweis und die molekularbiologische Bestimmung des Virus erfolgten am Institut für veterinärmedizinische Untersuchungen der AGES in Mödling. Der Fallbericht zu diesem erstmaligen Auftreten von PED in Österreich wurde im Jänner 2016 im Fachjournal BMC Veterinary Research veröffentlicht (Steinrigl et al., First detection, clinical presentation and phylogenetic characterization of Porcine epidemic diarrhea virus in Austria, BMC Veterinary Research (2015) 11:310 DOI 10.1186/s12917-015-0624-1).

Die Erkrankungen in einem österreichischen Betrieb traten erstmals kurz nach dem Import bei einer Gruppe von Mastschweinen deutscher Herkunft auf. Die Tiere zeigten verminderte Fresslust und hatten milde Durchfälle. Die klinische Situation hatte sich nach vier Wochen normalisiert, allerdings hatte sich das Virus zu diesem Zeitpunkt bereits auf einen anderen Stall im selben Betrieb ausgebreitet: Eine Gruppe Mastschweine österreichischer Herkunft hatte dieselben Symptome, molekularbiologische Untersuchungen zeigten auch hier eine Infektion mit PEDV. Auch mehrere Wochen nach Abklingen der Krankheitssymptome war das Virus in Kotproben noch molekularbiologisch nachweisbar. Im ersten Halbjahr 2015 wurde PEDV zudem in drei weiteren Schweinebetrieben in Österreich nachgewiesen. Alle molekularbiologischen Untersuchungen deuten darauf hin, dass es sich um denselben Erregerstamm handelt, der seit 2014 Ausbrüche in West- und Zentraleuropa verursacht.

Durchfallerkrankungen, die denen von PED ähneln, wurden erstmals 1971 in England bei Mastschweinen beobachtet und verbreiteten sich danach in mehreren europäischen Ländern. Berichte dazu gibt es aus Belgien (1978), der Tschechischen Republik (1993), Ungarn (1996) sowie auch aus Deutschland, Frankreich, Holland und Schweiz. Danach gab es in Europa kaum - und wenn dann nur vereinzelt - Krankheitsausbrüche. In einer in Österreich durchgeführten Studie von Möstl et al. (1990) konnte kein Hinweis auf das Vorkommen von PED in der österreichischen Schweinepopulation gefunden werden.

Im Zeitraum von 2005 – 2006 wurde in Italien in 63 Herden die Infektion nachgewiesen. Ab 2000 und anhaltend bis in die Gegenwart wird von PED Ausbrüchen in Korea, China, Thailand und anderen asiatischen Ländern berichtet. Seit 2010 haben in diesen Ländern die Ausbrüche mit hohen Todesfällen bei Ferkeln stark zugenommen. 2013 traten erste Fälle von PED in den US-Bundesstaaten Iowa und Minnesota auf. Innerhalb kurzer Zeit wurden weitere Ausbrüche in der gesamten USA, in Kanada, Mexiko und in den Zentralamerikanischen Staaten registriert. Diese Ausbrüche gehen mit großen wirtschaftlichen Einbußen einher, die einerseits auf Erkrankungen und Todesfälle bei Schweinen, aber auch auf Handelsrestriktionen zurückzuführen sind.

Bei der molekulargenetischen Untersuchung des Virus konnte eine neue Variante des PED-Virus (PEDV) in Amerika und Asien nachgewiesen werden, die scheinbar virulenter ist als das ursprünglich in den 1980-er Jahren in Europa isolierte Virus. Zusätzlich wurde im Zuge der genetischen Analysen ein neues Coronavirus (Deltacoronavirus) detektiert, das möglicherweise am Krankheitsgeschehen ebenfalls mitbeteiligt ist.

Zuletzt wurden mehrere akute Ausbrüche in Deutschland zunächst bei Mastschweinen, nun aber auch bei Saugferkeln gemeldet. Dabei war die Mortalität bei den Mastschweinen gering, bei den Saugferkeln jedoch bis zu 70 %. Alle bisher vorhandenen Sequenzierungen aus den akut in Deutschland aufgetretenen Fällen zeigen eine hohe genetische Übereinstimmung zu der weniger stark pathogenen Variante der in den USA aufgetretenen Stämme.

Symptomatik

Die klinische Ausprägung der Krankheitssymptome und deren Verlauf sind stark vom Alter der betroffenen Tiere und der Immunitätslage der Herde abhängig und werden folgendermaßen beschrieben:

  • Hatten die Tiere einer Herde bis zur Viruseinschleppung keinerlei Kontakt mit dem Virus (sogenannte naive oder vollempfängliche Herde) zeigen sich folgende Symptome bei Saugferkeln (1-28 Lebenstage): Es erkranken nahezu 100 % der Tiere mit Erbrechen; die Ferkel haben akuten wässrigen Durchfall. Infolge des starken Flüssigkeitsverlustes und der daraus folgernden Azidose (Blutübersäuerung) können 50-80 % der Ferkel verenden
  • Sind die Tiere bereits älter, so verenden wesentlich weniger Tiere (1-3 %). Symptome von Durchfall und Appetitlosigkeit können bei Schweinen aller Altersstufen inklusive Zuchtsauen beobachtet werden
  • Hat die Herde das akute Krankheitsgeschehen überwunden (sogenanntes endemisches Krankheitsgeschehen), so normalisieren sich die Leistungen der Tiere wieder annähernd und es kommt nur mehr gelegentlich zu Durchfällen bei älteren bzw. abgesetzten Ferkeln (3.-6. Lebenswoche).

Prävention

Da das Virus vorwiegend durch infizierte Schweine, Kot oder mit Kot verunreinigten Gegenständen (Gülle, Schuhe, Transportfahrzeuge) übertragen wird, ist auf die Einhaltung strenger Biosicherheits- bzw. Hygienemaßnahmen wie Reinigung und Desinfektion kontaminierter Stallungen, Gegenstände und Transportmittel zu achten. Im Zentrum stehen natürlich Vorsichtsmaßnahmen, insbesondere bei der Verbringung von Tieren aus betroffenen Stallungen oder Regionen in nicht betroffene Länder und Regionen. In Asien und Amerika gibt es bereits Impfstoffe, deren Wirksamkeit allerdings kontroversiell diskutiert wird.

Diagnostik

Aufgrund der klinischen Symptome in einer Herde kann nur eine Verdachtsdiagnose geäußert werden, die durch eine entsprechende Laboruntersuchung bestätigt werden muss. Mittels moderner molekularbiologischer Methoden (PCR) ist eine rasche und zuverlässige Diagnostik zur Abklärung von Verdachtsfällen möglich.

Folgende Probenmaterialien eignen sich zur Diagnostik:

  • Kot von akut erkrankten lebenden Tieren
  • Darminhalt und Darmgewebe (Dünndarm, Dickdarm) von verendeten Tieren

Der Kot sollte gekühlt (4 °C) möglichst innerhalb der ersten 24 h nach Auftreten der Diarrhoe genommen werden. Da Darmgewebe relativ rasch autolytisch wird, sollten die Organproben bzw. verendeten Tiere möglichst rasch und gekühlt ins Labor gebracht bzw. versandt werden.

Differentialdiagnostisch sind verschiedene andere Durchfallerreger auszuschließen:

  • Bakterielle Infektionen durch:  Escherichia coli, Clostridium perfringens, Salmonellen
  • Virale Infektionen durch: das Virus der Transmissiblen Gastroenteritis (TGE), Rotaviren, Circoviren vom Typ2 (PCV-2), das Virus der Klassischen (Europäische) Schweinepest (KSP) und der Afrikanischen Schweinepest (ASP)
  • Parasitenbefall: Kokzidien

Kontakt

Institut für veterinärmedizinische Untersuchungen Mödling

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Aktualisiert: 04.05.2022

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