Gesundheit für Mensch, Tier & Pflanze

Brucella ovis: Infektiöse Nebenhodenentzündung der Schafböcke

Brucella ovis

B D E

Steckbrief

Infektionen mit dem Bakterium Brucella ovis führen bei Schafböcken zu Hoden- und Nebenhodenentzündungen. Menschen können nicht an diesem Bakterium erkranken.

Vorkommen

Nahezu weltweit in allen schafreichen Regionen

Wirtstiere

Schafe, Hirsch

Infektionsweg

Die Übertragung erfolgt über den direkten Kontakt (Tröpfcheninfektion) von infiziertem Widder zu Widder bzw. indirekt beim Deckakt über weibliche Schafe. Nach einer Besiedelung der Nieren kann die Ausscheidung auch über den Harn erfolgen.

Inkubationszeit

3-17 Wochen

Symptomatik

Bei Böcken kommt es zu einseitigen, seltener beidseitigen Nebenhodenveränderungen (Epididymitis). Bei trächtigen Mutterschafen können Aborte und eine erhöhte Lämmersterblichkeit auftreten.

Therapie

Eine spezifische Therapie ist nicht möglich. Infizierte Böcke sollten schnellstmöglich von der Zucht bzw. der Herde ausgeschlossen und der Bestand sowie Kontakttiere klinisch und serologisch untersucht werden.

Vorbeugung

B. ovis wird im Allgemeinen über infizierte Schafe oder Samen in eine Herde eingebracht. Aus diesem Grund stellen die klinische Untersuchung (Abtasten des Hodensacks) und das serologische Screening (Nachweis von Antikörpern) von potenziellen Zuchtböcken bzw. Widdern mit unbekannten Gesundheitsstatus vor dem Einbringen in die Herde die wichtigste Präventionsmaßnahme gegen die Verbreitung des Erregers dar. Infektionen bei Mutterschafen können durch die Bekämpfung von B. ovis in Widdern hintangehalten werden.

Situation in Österreich

Einzelne Fälle treten nur sporadisch auf. Es gibt entsprechende Überwachungs- und Bekämpfungsprogramme. Positive Widder müssen durch Schlachtung oder Kastration von der Zucht ausgeschlossen und der betroffene Bestand nachuntersucht werden.

Fachinformation

Das Reservoir für B. ovis-Infektionen stellen chronisch infizierte Widder dar. Der Erreger kann in Hoden, Nebenhoden akzessorischen Geschlechtsdrüsen oder Nieren persistieren und über Jahre intermittierend ausgeschieden werden.

Nach der Paarung mit einem infizierten Widder kann der Erreger im Vaginalsekret des weiblichen Schafes überleben und beim nächsten Deckakt auf einen nicht-infizierten Bock übertragen werden. Weibliche Tiere stoßen den Erreger meist nach einigen Monaten wieder ab und tragen somit nur temporär zur weiteren Verbreitung in der Herde bei. Aborte oder die Geburt von lebensschwachen Lämmern auf Grund einer Placentitis des infizierten Mutterschafes treten eher selten auf. Jungwidder können sich, obwohl sie noch nicht im Deckeinsatz waren, durch die soziale Interaktion in der Widderherde (Schnüffeln von Harn oder Sperma bzw. Rangordnungskämpfe mit rektaler Kopulation) bei infizierten Widdern anstecken.

Widder aus Herden mit unbekanntem Status sollten nicht mit anderen Widder gehalten bzw. zur Zucht eingesetzt werden. Mutterschafe, die kürzlich von infizierten Widdern gedeckt wurden, stellen ein potenzielles Infektionsrisiko für gesunde Widder dar.

Symptomatik

Der Großteil der B. ovis-Infektionen verläuft asymptomatisch bzw. werden Veränderungen (Genitalläsionen) erst in einem späten Infektionsstadium klinisch sichtbar. Klinisch auffällig werden Widder durch einseitige, selten beidseitige tastbare Veränderungen der Nebenhoden (Epidiymitis). Ein wirtschaftlicher Verlust durch Veränderung der Zuchtparameter in der Herde wird oft nur bei intensiver Schafhaltung sichtbar.

Diagnostik

Indirekte Methoden:

  • Serologischer Nachweis von B. ovis-Antikörpern (ELISA, Komplementbindungsreaktion)

Direkte Methoden:

  • Bakteriologisch: Kulturversuch aus Organmaterial, Samen- oder Tupferproben auf Selektivmedien
  • Molekularbiologisch: Genomnachweis mittels PCR

Kontakt

Institut für veterinärmedizinische Untersuchungen Mödling

Weitere Kontakte

Institut für veterinärmedizinische Untersuchungen Linz

Institut für veterinärmedizinische Untersuchungen Innsbruck

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